WTHUF

What The Hack Is Urban Furniture?
Wettbewerbsbeitrag zu HUF – Hacking Urban Furniture , Honorable Mention

International offener einphasiger Ideenwettbewerb: Stadtmöbel in Kommunal-Kollektiver-Kooperation (KKK), Grammatik des öffentlichen Raums: Stadtmöblierung
Auslober: KUNSTrePUBLIK e.V. / Zentrum für Kunst und Urbanistik
Berlin, www.zku-berlin.org (http://www.hackingurbanfurniture.net/)

 

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WTHUF Plakat

 

What The Hack Is Urban Furniture?
Konzept zu einer Genealogie städtischer Infrastruktur.

Die Bedeutung der Begrifflichkeit des „Stadtmöbels“ hat sich im Laufe der Zeit isomorph über die Gesellschaft gelegt. Die Macht der Gewohnheit lässt zu oft vergessen das „Stadtmöbel“ eben nicht gleich „Stadtmöbel“ sind und das sie eine genauere Differenzierung und Betrachtung benötigen – vielleicht so etwas wie eine Genealogie der städtischen Infrastruktur und ihrer Knotenpunkte.

Im architektonischen Diskurs fehlt die Präzision in der Benennung und der Beobachtung (materiellen und immateriellen) von räumlichen Phänomenen, die real räumlichen Komponenten (Zeit, Raum, Grenze, Eigentum, operative Zugänglichkeit etc.) werden dabei meist außer Acht gelassen, dies führt leider zu oft zu einer romantisierenden verklärenden imaginierten Vorstellung, Definition und Sichtweise davon.
Das Konzept „WTHUF“ zeigt auf, dass es eine Vielzahl von verschiedenen Faktoren gibt, die innerhalb ihrer komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen unsere Umwelt und damit unsere räumliche kulturspezifische Realität – die Atmosphäre Wirklichkeit – bilden.
Wie so oft ist der Faktor Zeit und damit in Verbindung die Objekt-Permanenz als grundlegendes Differenzierungsmerkmal zu verstehen. Über die (Halbwerts-) Zeit bestimmt sich die Permanenz und damit auch die mögliche Klassifizierung städtischer Infrastruktur (Einrichtungen und / oder Knotenpunkte).
Innerhalb der Perspektive von „WTHUF“ scheint es keine „Stadtmöbel“ im herkömmlichen Sinn zu geben. Es sind die Infrastrukturknotenpunkte der verschiedenen städtischen Ebenen, die meistens fälschlicherweise als „Stadtmöbel“ deklariert werden. Dabei sagt schon allein das Wort „Möbel“, das es sich um mobile, also bewegliche, Gegenstände handeln muss. Auch die Beweglichkeit eines Objekts fußt auf seiner Permanenz an einem bestimmten Ort, was wiederum die Notwendigkeit einer „zeitlichen“ Betrachtung verdeutlicht.

Neben der materiellen Erscheinung von Infrastruktur-Punkten gibt es natürlich auch ein inhärentes immaterielles Kapital bzw. Potenzial – das sich im Feld zwischen dem Eigentümer und dem Akteur sowie dem Bedarf und dem Bedürfnis aufspannt.
Das heißt, neben dem Bedarf solcher (Infrastruktur-) Einrichtungen ist es immer eine Frage des Verwertungsmonopols (Eigentümer<>Besitzer<>Akteur), wer hat das Recht auf die (monetäre) Verwertung des Potenzials (Kapitals)? Diese Frage steht selbst wieder im direkten Zusammenhang mit der Permanenz, der Zugänglichkeit und der Klassifizierung dieser Einrichtungen. Temporäre Infrastruktur (also „Möbel“) ist meist mit privaten Eigentümern in Verbindung zu bringen. Permanente Einrichtungen sind meist von öffentlichem Charakter, und sofern permanent zugänglich auch oft das Eigentum „öffentlicher“ (heut zu Tage meist privatisierter, im Hinblick auf das Verwertungsmonopol) Institutionen. So stehen die „Stadtmöbel“ in einem diffusen Spannungsfeld von unklaren Begriffen und Zusammenhängen die es im Vorfeld unbedingt zu klären gilt.

All das, und noch mehr, wirft Fragen auf, die in einer weiteren prozesshaften Betrachtung bearbeitet werden müssen um reale gesellschaftspolitische und durchführbare Antworten, Positionen und Vorschläge zu entwickeln.

Josef-Matthias Printschler, Stuttgart 06/17
für „HUF – Hacking Urban Furniture“

   
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